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Gesund durch den Herbst

  • Constantin Krämer
  • vor 5 Stunden
  • 6 Min. Lesezeit
  • wie die TCM den Körper auf die kühlere Jahreszeit vorbereitet


Der Sommer neigt sich langsam dem Ende zu. Die Tage werden kürzer, die Abende kühler und besonders morgens ist bereits zu spüren, dass sich die Jahreszeit verändert. Gleichzeitig gibt es noch warme Tage – manchmal wechseln innerhalb weniger Stunden Sonne, Wind und deutlich kühlere Temperaturen.

Aus Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) ist dieser Übergang eine besondere Zeit. Unser Körper muss sich von der Wärme und Aktivität des Sommers langsam auf die kühlere und ruhigere Jahreszeit einstellen.

Gerade jetzt treten bei vielen Menschen wieder häufiger Erkältungen, Husten, ein kratziger Hals, eine laufende oder verstopfte Nase und ein allgemeines Gefühl von Erschöpfung auf.

Doch warum werden manche Menschen scheinbar bei jedem Wetterwechsel krank, während andere selbst bei Wind und Kälte kaum Beschwerden entwickeln?


Der Herbst gehört in der TCM zur Lunge

In der Traditionellen Chinesischen Medizin wird der Herbst der Wandlungsphase Metall und insbesondere den Funktionskreisen Lunge und Dickdarm zugeordnet.

Wenn wir in der TCM von der „Lunge“ sprechen, meinen wir dabei nicht ausschließlich das anatomische Organ. Der Funktionskreis der Lunge umfasst ein wesentlich größeres System und steht unter anderem mit der Atmung, der Nase, der Haut und unserer Abwehr gegenüber äußeren Einflüssen in Verbindung.

Eine wichtige Rolle spielt dabei das sogenannte Wei Qi (衛氣) – häufig als Abwehr- oder Verteidigungs-Qi übersetzt.

Man kann sich das Wei Qi vereinfacht wie eine energetische Schutzschicht vorstellen, die an der Körperoberfläche zirkuliert. Sie hilft dem Körper aus Sicht der TCM dabei, sich gegenüber äußeren Einflüssen wie Wind, Kälte, Feuchtigkeit oder Trockenheit abzugrenzen.

Ist dieses Abwehr-Qi kräftig, kann sich der Körper häufig gut an wechselnde äußere Bedingungen anpassen.

Ist es dagegen geschwächt, können äußere Einflüsse leichter Beschwerden hervorrufen.

Warum werden wir gerade im Herbst häufiger krank?

Ein wesentlicher Faktor ist der schnelle Wechsel der Wetterbedingungen.

Morgens verlassen wir bei vielleicht 10 oder 12 Grad das Haus, mittags scheint die Sonne und es wird warm, am Abend sinken die Temperaturen wieder deutlich. Hinzu kommen Wind, Regen und zunehmend trockene Luft.

Aus Sicht der TCM ist insbesondere Wind ein wichtiger Faktor bei plötzlich auftretenden Beschwerden. Wind kann mit Kälte, Hitze oder Trockenheit zusammentreffen.


Typische erste Beschwerden können beispielsweise sein:

  • Frösteln oder Kältegefühl

  • empfindlicher oder verspannter Nacken

  • laufende oder verstopfte Nase

  • Niesen

  • Kratzen oder Trockenheit im Hals

  • Husten

  • Kopfschmerzen

  • Müdigkeit und Abgeschlagenheit


Ein weiterer wichtiger Faktor des Herbstes ist die Trockenheit. Sie betrifft aus Sicht der TCM besonders den Funktionskreis Lunge.

Menschen können deshalb im Herbst verstärkt unter trockenen Schleimhäuten, trockenem Hals, trockenem Husten, trockener Haut oder auch trockenem Stuhl leiden.

Dabei reagiert allerdings nicht jeder Mensch gleich.


Wer ist besonders anfällig?

In der chinesischen Medizin betrachten wir nicht nur die Erkrankung, sondern vor allem die individuelle Konstitution eines Menschen.

Besonders anfällig für wiederkehrende Erkältungen können beispielsweise Menschen mit einem Lungen-Qi- oder Wei-Qi-Mangel sein.

Typisch können eine allgemeine Infektanfälligkeit, schnelle Erschöpfung, Kurzatmigkeit bei Belastung oder spontanes Schwitzen sein.

Eine weitere häufige Konstellation ist eine Schwäche des Milz-Qi. Die „Milz“ beschreibt in der TCM ebenfalls einen Funktionskreis und steht unter anderem mit der Umwandlung der Nahrung und der Bildung von Qi in Verbindung.

Menschen mit einer solchen Schwäche fühlen sich beispielsweise häufig müde, insbesondere nach dem Essen, neigen zu weichem Stuhl, Blähungen, Völlegefühl oder zur Bildung von Feuchtigkeit und Schleim.

Auch Menschen mit einem Yin- oder Säftemangel können den Herbst deutlich spüren. Bei ihnen steht weniger die Kälteempfindlichkeit als vielmehr die Trockenheit im Vordergrund: trockener Hals, trockene Haut, trockener Reizhusten oder ausgeprägter Durst können Hinweise darauf sein.

Menschen mit einer kräftigen Konstitution, einer stabilen Verdauung und einem starken Wei Qi kommen dagegen häufig wesentlich besser mit dem Wetterwechsel zurecht.

Die gleiche Witterung kann deshalb bei zwei Menschen vollkommen unterschiedliche Reaktionen hervorrufen.


Was kann man selbst tun?

Eine der einfachsten Maßnahmen besteht darin, den Körper nicht unnötig starken Temperaturunterschieden auszusetzen.

Besonders Nacken und oberer Rücken sollten bei kühlem oder windigem Wetter geschützt werden. In der TCM spielen gerade diese Bereiche bei Erkrankungen durch äußere pathogene Faktoren eine wichtige Rolle.

Gleichzeitig sollten wir unseren Lebensstil langsam der Jahreszeit anpassen. Während der Sommer durch Aktivität und Expansion geprägt ist, beginnt im Herbst wieder die Zeit des Sammelns und des Rückzugs.

Ausreichender Schlaf, regelmäßige Bewegung an der frischen Luft, warme Mahlzeiten und regelmäßige Essenszeiten können den Körper in dieser Übergangsphase unterstützen.


Ernährung im Herbst – Wärme geben und gleichzeitig befeuchten

Mit Beginn des Herbstes empfehle ich häufig, den Anteil sehr kalter und roher Speisen langsam zu reduzieren.

Statt täglich große Mengen Rohkost, kalte Smoothies oder direkt aus dem Kühlschrank kommende Speisen zu essen, können wieder häufiger gekochte und warme Mahlzeiten auf den Tisch kommen.


Gut geeignet sind beispielsweise:

Hafer und HirseAls warmer Frühstücksbrei oder Bestandteil gekochter Mahlzeiten können sie eine gute Grundlage für den Start in den Tag bilden.

Reis und Reis-CongeeEin lange gekochter Reisbrei ist leicht bekömmlich und lässt sich je nach persönlicher Konstitution unterschiedlich ergänzen.

Kürbis und KarottenBeide eignen sich hervorragend für Suppen, Eintöpfe oder Ofengerichte und passen sehr gut in die Übergangszeit.

Lauch, Frühlingszwiebeln und etwas IngwerInsbesondere bei Menschen, die schnell frieren, können wärmende und leicht scharfe Lebensmittel sinnvoll sein. Sie sollten allerdings nicht pauschal und nicht in großen Mengen verwendet werden – bei deutlicher Hitze oder Trockenheit kann zu viel Schärfe kontraproduktiv sein.

BirnenBirnen spielen in der chinesischen Ernährungslehre im Zusammenhang mit Trockenheit und der Lunge eine besondere Rolle. Gerade bei trockenem Hals oder trockenen Schleimhäuten eignet sich beispielsweise eine gedünstete Birne oder ein warmer Birnenkompott häufig besser als eine kalte Birne direkt aus dem Kühlschrank.

Mandeln und SesamSie können besonders dann interessant sein, wenn Trockenheit im Vordergrund steht.

RettichRettich wird traditionell insbesondere bei Beschwerden eingesetzt, bei denen Schleim und eine gestörte Abwärtsbewegung des Lungen-Qi eine Rolle spielen.

Auch Suppen und Eintöpfe sind jetzt wieder eine gute Möglichkeit, Gemüse, Getreide und Hülsenfrüchte bekömmlich miteinander zu kombinieren.

Entscheidend ist jedoch auch bei der Ernährung: Nicht jedes Lebensmittel ist für jeden Menschen gleichermaßen geeignet.

Wer friert und zu weichem Stuhl neigt, benötigt möglicherweise etwas vollkommen anderes als jemand mit trockenem Reizhusten, starkem Durst und Hitzegefühl.

Genau deshalb ist die individuelle Musterdifferenzierung ein zentraler Bestandteil der chinesischen Medizin.


Wenn die Erkältung bereits begonnen hat

Auch hier unterscheidet die TCM verschiedene Situationen.

Ein Mensch friert stark, hat einen steifen Nacken und klaren, wässrigen Nasenausfluss.

Ein anderer hat Halsschmerzen, Hitzegefühl und gelblichen Schleim.

Ein weiterer entwickelt nach einem Infekt über Wochen einen trockenen Reizhusten.

Aus westlicher Sicht können alle drei Patienten von einer „Erkältung“ oder einem Atemwegsinfekt berichten. Aus Sicht der chinesischen Medizin liegen jedoch unterschiedliche Muster vor – und entsprechend unterschiedlich fällt die Behandlung aus.

Deshalb gibt es auch nicht den einen Akupunkturpunkt oder die eine chinesische Kräutermischung gegen Erkältungen.

Wie behandle ich solche Beschwerden in meiner Praxis?

In meiner Praxis für Traditionelle Chinesische Medizin in Frankfurt arbeite ich bei entsprechenden Beschwerden vor allem mit Akupunktur und chinesischer Kräutertherapie.

Am Anfang steht zunächst die chinesische Diagnostik. Neben den aktuellen Beschwerden spielen beispielsweise Kälte- oder Wärmeempfinden, Schwitzen, Durst, Verdauung, Schlaf, Energie sowie die Beschaffenheit von Husten, Schleim und Nasensekret eine Rolle. Zusätzlich können Zungen- und Pulsdiagnostik in die Beurteilung einfließen.


Akupunktur

Bei der Akupunktur richtet sich die Auswahl der Punkte nach dem jeweiligen Muster und der Krankheitsphase.

Bei beginnenden Beschwerden kann beispielsweise im Vordergrund stehen, äußere pathogene Faktoren auszuleiten und die regulierende Funktion der Lunge zu unterstützen.

Bei häufig wiederkehrenden Infekten geht es dagegen stärker darum, die zugrunde liegende Konstitution und das Wei Qi zu kräftigen.

Bei länger anhaltendem Husten, Schleimbildung oder Trockenheit wiederum verändert sich die Behandlungsstrategie entsprechend.


Chinesische Kräutertherapie

Auch chinesische Arzneimittel werden nicht allein aufgrund des westlichen Krankheitsnamens ausgewählt.

Je nachdem, ob beispielsweise Wind-Kälte, Wind-Hitze, Trockenheit, Schleim, ein Qi-Mangel oder eine Kombination verschiedener Muster im Vordergrund steht, kommen unterschiedliche Rezepturen infrage.

Eine Kräuterrezeptur kann deshalb bei zwei Menschen mit scheinbar derselben Erkältung vollkommen unterschiedlich zusammengesetzt sein.

Gerade darin liegt eine der Besonderheiten der Traditionellen Chinesischen Medizin: Nicht nur die Erkrankung wird betrachtet, sondern der Mensch und das individuelle Muster, das hinter seinen Beschwerden steht.

Den Herbst nutzen, bevor der Winter beginnt

Der Herbst muss nicht zwangsläufig die Zeit der Erkältungen sein.

Er kann vielmehr eine gute Gelegenheit sein, die eigene Ernährung und den Lebensrhythmus wieder an die kühlere Jahreszeit anzupassen und den Körper auf den Winter vorzubereiten.

Warme, gekochte Mahlzeiten, ausreichend Schlaf, Bewegung an der frischen Luft und Schutz vor starkem Wind und Auskühlung sind einfache Maßnahmen, die sich gut in den Alltag integrieren lassen.

Wer dagegen jedes Jahr mit Beginn der kühleren Jahreszeit häufig krank wird, lange mit Infekten zu kämpfen hat oder unter wiederkehrendem Husten, Schleim oder ausgeprägter Trockenheit leidet, kann aus Sicht der TCM genauer betrachten lassen, welches individuelle Muster dahintersteht.


In meiner QiVITAL Ganzheitliche Therapiepraxis für Traditionelle Chinesische Medizin in Frankfurt am Main behandle ich entsprechende Beschwerden individuell mit Akupunktur und – wenn sinnvoll – chinesischer Kräutertherapie.

QiVITAL Ganzheitliche Therapiepraxis – Traditionelle Chinesische Medizin in Frankfurt am Main

Terminvereinbarung und weitere Informationen unter qi-vital.de

 
 
 

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